Crowdsourcing

An dieser Stelle sollte eigentlich ein Artikel über mein neuestes Kurzfilmprojekt entstehen. Schön das eigene Blog nutzen und erstmal die Ideengewinnung beschreiben, dann einmal über den Dreh berichten und zum Abschluß den Film selbst zeigen. So weit war ich bisher:

Angeregt durch einen Wettbewerb bei youtube (http://www.youtube.com/lifeinaday) hab ich mich entschlossen, einen neuen Kurzfilm zu drehen. Natürlich soll der auch bei dem Wettbewerb eingereicht werden, bei dem es darum geht, einen Film entstehen zu lassen, der das Leben der Menschen auf der Welt an einem Tag zeigt. Ich habe erst zwei Tage vor dem Wettbewerb davon erfahren, d.h. das Konzept mußte spontan entstehen. Was für einen Film macht man? Roh und unpoliert? Per Handykamera ein paar Aufnahmen mitlaufen lassen? Das Leben zeigen, wie es ist? Oder doch ein wenig Auswahl treffen, Einstellungen wählen, Gedanken über den Ablauf machen? Da an einem Samstag gedreht werden sollte (am 24.07. nämlich) fiel zumindest alles aus, was spontan bei der Arbeit gedreht werden könnte.

An diesem Punkt war ich völlig begeistert von dieser Idee, ein Film 2.0, der von den bekannten Filmemachern Ridley Scott und Kevin Macdonald ins Kino gebracht werden will. Premiere wird beim Sundancefestival 2011 sein. Wenn das mal nichts ist.

Während ich das Konzept konkretisierte, habe ich mir die Nutzungsbedingungen einmal genauer angeschaut. Was ich dann erst gemerkt habe, man sieht die nur, wenn man sich mit seinem youtube-Konto anmeldet. Wer also kein Konto bei youtube hat, erfährt nicht, wie die Rahmenbedingungen aussehen. Die treten auch nach Anmeldung erst beim zweiten Schritt des Videouploads zum Vorschein, also dann, wenn man eigentlich das fertige Video hochladen möchte. Das wirkt schon mal etwas merkwürdig, man hat doch eigentlich nichts zu verbergen? Warum soll der Filmer nicht gleich auf seine Rechte und Pflichten aufmerksam gemacht werden?

Nun denn, ein genauerer Blick verrät einem Folgendes:

Man erteilt unwiderruflich eine weltweite, nicht ausschließliche, gebührenfreie Lizenz (falls relevant, durch die aktuelle Lizenz für geltendes und zukünftiges Urheberrecht), die den Produzenten im Rahmen ihres alleinigen Ermessens erlaubt, den Film zu ändern, umzugestalten, schneiden, Content hinzuzufügen etc. Natürlich ist der Vertrieb des Filmes, Werbung und so weiter ebenfalls inbegriffen.

O.k., man beauftragt also das Volk und verlangt am Ende eine Lizenz, die einem erlaubt, mit dem Videomaterial zu machen was man will. Und zwar auf alle Tage. Finde ich nicht so toll, schließlich will man ja ausdrücklich persönliche Aufnahmen haben, die also aus dem Zusammenhang gerissen in eine fadenscheinige Story gebracht werden können.

Das wird an späterer Stelle nochmal konkretisiert:

[…]wir [haben] das Recht, deinen Namen, Fotos und nicht fotografische Konterfeis sowie Standbilder oder bewegte Bilder deines Konterfeis aus dem Video sowie jegliche Aufnahmen deiner Stimme oder Geräusche aus dem Video weltweit und dauerhaft zu folgenden Zwecken zu nutzen: Werbung, Publicity und Öffentlichkeitsarbeit für sowie Ausstrahlung, Darbietung, Vertrieb und Nutzung von Film, jeglichem abgeleiteten Filmmaterial und Filmkanal über alle bekannten oder zukünftig entwickelten Kanäle.

Mein Gesicht also weltweit in „abgeleitetem Filmmaterial“ und „zukünftig entwickelten Kanälen“? Welche Formate das umfassen könnte, wird offen gelassen. Zur Sicherheit verzichte ich aber darauf, rechtlich gegen eine Nutzung vorzugehen, die gegen meine Persönlichkeitsrechte verstoßen oder mich verleumden. Na dann.

Du gewährleistest, dass weder du noch eine andere Person in Zukunft Widerspruch gegen die Nutzung des Videos in dem Film und/oder abgeleitetem Filmmaterial einlegt, und verzichtest unwiderruflich auf jegliche Haftungsansprüche uns gegenüber, die sich aufgrund der Nutzung des Videos (oder Teilen davon) in dem Film und/oder abgeleitetem Filmmaterial ergeben, einschließlich Ansprüchen, die sich aus der bildlichen Darstellung in Bezug auf oder durch Verletzung der Privatsphäre, Verleumdung oder Verstoß gegen Persönlichkeits- oder Eigentumsrechte ergeben.

Aber o.k., das ist wohl der Deal, auf den man sich einläßt, wird bei Agenturen und anderen Dienstleistern sicher nicht anders sein. Wobei da das Wörtchen „gebührenfrei“ fehlen dürfte. Also weiter im Text.

Was mich richtig schwer gestört hat ist der Punkt Vergütung. Dort heißt es:

Die Tatsache, dass dein Video (oder Teile davon) in dem Film und/oder abgeleitetem Filmmaterial und/oder im Filmkanal gezeigt wird, wird als ausreichende Gegenleistung für alle Rechte, die du uns im Rahmen dieser offiziellen Teilnahmebedingungen erteilt hast, angesehen. Weder du noch eine andere Person hat Anspruch auf weitere Leistungen in Verbindung mit der Nutzung der uns im Rahmen dieser offiziellen Teilnahmebedingungen gewährten Rechte.

Das ist der schwierige Teil des Ganzen. Ich persönlich sehe es so, daß ich, nur weil ich Amateur bin und quasi als Hobby einen Film drehe, nicht damit abgespeist werden kann, daß mein Name am Ende der Credits auftaucht. Ein Haufen Leute gibt sich Mühe, investiert Zeit, Geld und vor allem ihre Ideen darin, einen Filmbeitrag zu generieren, die besten werden ausgewählt und genutzt um Geld zu verdienen – bei der Masse an Einsendungen wird die Qualität hoch sein, das haben andere Crowdsourcingwettbewerbe schon gezeigt. Diejenigen, die den meisten Einsatz gebracht haben, bekommen davon nichts.

Kann das der Sinn des Crowdsourcing sein? Der Vorteil liegt hier klar beim Auftraggeber, statt eines teuren Teams von drei-vier oder meines wegen einem Dutzend Kreativköpfen liefern Tausende Ihre Arbeit zu, aus der man wählen kann. Vielleicht ist das Resultat aus technischer Sicht nicht ganz so gut, aus kreativer Sicht wird doch eine riesige Leistung vollbracht. Und die wird meines Erachtens nicht gewürdigt.

Da kann es mich auch nicht befriedigen, daß ich sagen kann, daß mein Name in einem Scott/Macdonald-Film auftaucht.

Verstärkt wird der fade Geschmack durch eine am Ende „versteckte“ Passage:

Wir sind berechtigt, diese offiziellen Teilnahmebedingungen sowie unsere Rechte und Vorteile, die sich aus diesen offiziellen Teilnahmebedingungen ergeben, (teilweise oder gänzlich) an einen Dritten abzutreten, zu lizenzieren, diesem in Rechnung zu stellen oder in anderer Weise damit zu handeln.

Huch? Verkauf an Dritte? Rechnung, Handel. Man will Geld verdienen an dem Film und zwar durch Verkauf an Dritte (klar, z.B. durch den Vertrieb des Filmes auf DVD, aber das wird hier nicht spezifiziert).  Die können wiederum ALLES mit dem Film anstellen, denn die Lizenz kann ja so, wie ich sie akzeptiere, weiterverkauft werden. D.h. eine Partei, die nicht benannt ist, kann mein Material verändern und mein Gesicht, meine Stimme etc. verwenden für Formate, die es noch nicht gibt und dabei mein Persönlichkeitsrecht  verletzten, denn ich verzichte ja auf jegliche Rechtsansprüche.

Die Idee Film 2.0 und Crowdsourcing sind meiner Meinung nach wundervolle Möglichkeiten, neue kreative Level zu erreichen, nur kann man den kleinen Filmer nicht ohne Vergütung abfertigen; man möchte etwas ohne dafür geben zu wollen. Ich denke, da muß keine große Bezahlung her, ich spreche nicht von tausenden Dollar. Vielleicht den fertigen Film auf DVD und eine paar Gimmicks (mit denen man sogar nch Werbung machen würde für den Film) oder sowas. Das würde doch in den Produktions- Vertriebs- und Werbekosten untergehen, die Leute, die Ihre Kraft in so ein Unternehmen stecken, würden aber etwas Wertschätzung erfahren. Ich möchte an dieser Stelle natürlich nicht unterschlagen, daß ein paar (zehn, meine ich) Filmer zum Sundance eingeladen werden. Das ist natürlich ein Riesenpreis, der jedoch bei weitem nicht jedem Filmer zugute kommt.

Was denkt Ihr vom Crowdsourcing und wie könnte man das umsetzen? Oder ist der Weg des Filmteams hier der goldene und ich sehe das nur zu eng?

Advertisements

Eine Antwort zu “Crowdsourcing

  1. Eine sehr gute Zusammenfassung dessen, was Unternehmen beim Thema crowdsourcing beachten sollten!
    http://www.socialnetworkstrategien.de/2009/09/12-dinge-die-man-beim-crowdsourcing-unbedingt-beachten-sollte/

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s